Platz zum Wachsen gesucht.
Gemeinsame Visionen gefunden.

Erfolgsstory Aphria

Die Aphria RX GmbH baut im Auftrag der Bundesrepublik als erstes Unternehmen in Deutschland medizinisches Cannabis an. In Neumünster entstand dafür auf 12.000 m² Geschossfläche die modernste Indoor-Cannabis-Plantage der Welt.

Beim Wort „Cannabis-Plantage“ denken einige Menschen zuerst an verrauchte Produktionsstätten in den Kellern lichtscheuer Alt-Hippies. Wer das neue Firmengebäude von Aphria in Neumünster betritt, landet stattdessen in einem futuristisch anmutenden Hightech-Gebäude. Hermetisch abgeschottet von der Außenwelt werden hier mit staatlicher Lizenz Cannabisblüten angebaut, die ab dem Frühjahr 2021 in deutschen Apotheken verkauft werden sollen. Als eines von drei Unternehmen erhielt die Tochterfirma der kanadischen Aphria Inc. den Zuschlag für die erste Cannabis-Produktion in Deutschland. Diese läuft zukünftig in einem wahren Hochsicherheitstrakt im Gewerbegebiet Süd: In Rekordbauzeit entstand in der Isarstraße 17 ein schusssicherer Bunker mit 24 Zentimeter dicken Stahlbetonwänden, Sicherheitsschleusen, Bewegungsmeldern und rund 400 Kameras. Sogar auf der Toilette macht ein riesiger Häcksler jedes Schmuggelgeschäft sofort zunichte.

strenge standards für pflanzen und sicherheit

Im Inneren des Betontresors gedeihen die Pflanzen mithilfe innovativster Technologie. „Wir produzieren hier drei verschiedene Cannabissorten mit einer extrem hohen medizinischen Qualität“, erklärt Geschäftsführer Hendrik Knopp. Damit der festgelegte Gehalt der jeweiligen Wirkstoffe exakt stimmt, werden die Pflanzen vor allen äußeren Einflüssen geschützt. Im Erdgeschoss mit insgesamt 6.000 m² Fläche wachsen sie in acht Blühkammern auf keimfreier Mineralwolle, versorgt mit einer individuellen Nährlösung, bei 27 bis 29 Grad Celsius, hoher Luftfeuchtigkeit und einem exakt gesteuerten Hell-Dunkel-Rhythmus. Die Beschäftigten dürfen die Kammern nur mit Schutzkleidung durch Druckluftschleusen betreten. „Da wir den gleichen Pflanzzyklus zeitlich versetzt in acht Räumen betreiben, sind wir auch auf der sicheren Seite, wenn einmal etwas nicht so klappt wie geplant“, erläutert der zweite Geschäftsführer Thorsten Kolisch. In jeder Kammer wird alle drei Monate geerntet – viermal so oft wie in der Natur. Anschließend werden die Pflanzen unter hoch sterilen Bedingungen weiterverarbeitet, getrocknet, verpackt und in einem extra gesicherten Tresorraum gelagert. Im oberen Geschoss befindet sich die Gebäudetechnik und Automatisation; sämtliche Abläufe werden von Computern gesteuert. 

gemeinsame visionen – ohne berührungsängste

Bereits 2018 hatte Aphria in der NORDGATE-Gemeinde Bad Bramstedt ein Betäubungsmittellager errichtet, das auch zur Anzucht der ersten Stecklinge genutzt wurde. Den endgültigen Standort für die Cannabis-Produktion fanden Knopp und Kolisch ebenfalls in der NORDGATE-Region: in Neumünster. „Aufgrund der extrem knappen Zeitvorgaben der Bundesregierung brauchten wir eine komplett erschlossene Fläche. Wichtig war uns insbesondere die gute Erreichbarkeit, sowohl für die Logistik als auch für unsere 50 Mitarbeitenden, die teilweise aus Kiel oder Hamburg kommen.“ Auf Neumünster fiel die Wahl auch, weil Knopp in vielen anderen Regionen große Skepsis entgegenschlug: „Wir haben uns rund 30 Gemeinden in ganz Norddeutschland angeschaut. Viele Verantwortliche sind uns zurückhaltend oder fast schon mit Panik begegnet, nach dem Motto: ‚Oh, was kommt da auf uns zu?‘ Die Wirtschaftsförderung Neumünster und der Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras hatten keinerlei Berührungsängste und haben uns sofort unterstützt. Ich habe es noch nie zuvor erlebt, dass sich wirklich alle zuständigen Verwaltungsmitarbeitende gemeinsam an einen Tisch setzen. Die Stadt hat verstanden, dass wir mit unserer Technologie ganz neue Arbeits- und Berufsfelder schaffen können. Und sie haben unsere Vision geteilt, Cannabis als natürliche, wirksame und anerkannte Therapieform zu etablieren, die den Menschen eine höhere Lebensqualität verschafft.“

neumünster als leuchtturm

Nach einer längeren Testphase wurden im Dezember 2020 die ersten 450 „richtigen“ Setzlinge aus Kanada in Neumünster angeliefert – für Hendrik Knopp ein fast schon historischer Moment: „Es ist ein tolles Gefühl, den ganzen Weg mitgehen zu dürfen, von der ersten Idee am Schreibtisch bis zur ersten offiziell lizenzierten Cannabis-Lieferung an die Bundesrepublik“. Die Produktionskapazität der Anlage liegt bei bis zu vier Tonnen pro Jahr. Ein Teil des Ertrags dient der Forschung, die zum Beispiel mit der Universität Kiel vorangetrieben wird. „Wir möchten die Möglichkeiten des Indoor-Anbaus immer weiter verbessern“, erklärt Hendrik Knopp. „Diese Anlage würde auch in der Wüste oder auf dem Mond funktionieren. Für die ganze Aphria-Gruppe ist sie ein echtes Leuchtturmprojekt. Alles, was wir hier lernen, können wir an unsere Partner in der ganzen Welt weitergeben!“

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Neumünster

Iris Meyer

Wirtschaftsagentur Neumünster GmbH

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iris.meyer@wa-nms.de

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