„Die A 7 spielt eine herausragende Rolle“

12.06.2020

Iris Meyer von der Wirtschaftsagentur Neumünster und Marc-Mario Bertermann von der EGNO sehen in NORDGATE eine Erfolgsgeschichte

Ein Interview mit Iris Meyer (Wirtschaftsagentur Neumünster) und Marc-Mario Bertermann (EGNO, Norderstedt) über die Chancen von NORDGATE in der Metropolregion Hamburg.

Mit 500 Ansiedlungen in zehn Jahren hat die Kooperation NORDGATE eine in Deutschland einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung dieser Gemeinschaft?
Marc-Mario Bertermann: Die Kooperation NORDGATE hat in den vergangenen Jahren ihre Stärke und Sinnhaftigkeit unter Beweis gestellt. Die Anfrage- und Ansiedlungszahlen haben sich in allen sechs Kommunen durch den Austausch erhöht. Für die Suchenden bedeutet dies neben mehr Auswahl auch einen geringeren Aufwand in der Suche, für die Partner mehr Aufmerksamkeit für die lokalen Flächenangebote. Diese gute Arbeit setzen wir fort.

Iris Meyer: Stimmt. Die vergangenen zehn Jahre waren tatsächlich eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Ein klares Zwischenfazit können wir jetzt schon ziehen: Kooperation lohnt. Diesen Erfolg dürfen wir ruhig feiern, ohne uns darauf auszuruhen. Von Anfang an galt, immer einen Schritt voraus zu sein. Das ist auch in Zukunft unser Leitgedanke. Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem Spirit auch die nächsten Jahre an der Erfolgsgeschichte weiterschreiben werden.

Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft weitere Gemeinden in diesen Verbund aufzunehmen?
Marc-Mario Bertermann: Die Partnerschaft NORDGATE hat sich entwickelt. Ein Vertrauensverhältnis wurde über Jahre aufgebaut. Durch gemeinsame Vertriebsaktivitäten, Marketingmaßnahmen, Messeauftritte und den regelmäßigen Austausch. Heute sind wir eine intensive Gemeinschaft. Ich kann mir aktuell nur schwer vorstellen, dass dies mit weiteren Gemeinden möglich wäre. Die Kooperation lebt auch durch persönliche Beziehungen.

Iris Meyer: Die Partnerschaft ist das Ergebnis langjähriger Zusammenarbeit und gegenseitigen Vertrauens. Der regelmäßige Austausch und die gemeinsamen Aktivitäten haben zu einer intensiven Zusammenarbeit geführt.

Wie ist es gelungen, aus einer Gruppe von Konkurrenten, ausgesprochenen Individualisten, eine sich gegenseitig unterstützende Kooperation von Kommunen zu bilden?
Iris Meyer: Ich denke, uns trägt der Gedanke, dass vor allem unsere Kooperation die individuellen Stärken hervorhebt. Erst die Zusammenarbeit eröffnet uns neue Perspektiven. So ist beispielsweise die Teilnahme an der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München für einzelne Kommunen schwierig umzusetzen. Indem wir als NORDGATE auf der Messe auftreten, machen wir unsere Region und gleichzeitig jeden Partner als Wirtschaftsstandort national und international sichtbar. Für uns ist das kein Widerspruch. Sicherlich, jeder Partner hat Eigeninteressen, die sich aus seinem Arbeitsumfeld ergeben. Aber das ist kein Hindernis, sondern produktiver Motor. So können wir mit- und voneinander lernen. Daher war es immer auch Ziel, alle Partner im Verbund sichtbar zu machen. Betrachtet man zudem den reinen Flächenverkauf, kann ein Quadratmeter nur an einer Stelle gekauft werden. Aber neue Arbeitsplätze und Produktionsfaktoren bleiben und entstehen in der Region. Somit erfolgt die Wertschöpfung auch hier.

Marc-Mario Bertermann: Der Nachbar ist kein Konkurrent, sondern die nächste Wirtschaftsregion. Unternehmen denken in Regionen und viele sind deutschlandweit tätig. „Hamburg“ reicht für Außer-Europäer bis nach Hannover. Auf der Landkarte Europas ist ganz Schleswig-Holstein ein kleiner Punkt. Daher ist es umso wichtiger und richtiger, Kompetenzen zu bündeln und individuelle Stärken aufzuzeigen. Das macht NORDGATE mit seinen sechs Standorten, so wird der Nachbar zum Partner, um gemeinsam sichtbar zu sein.“

Bei aller Harmonie wie verhalten Sie sich, wenn ein Unternehmen aus der einen Ihrer Kommunen in eine andere im Verbund übersiedelt?
Iris Meyer: In erster Linie trifft die Entscheidung das Unternehmen. Und das ist auch gut so. Meistens gibt es gute ökonomische Gründe. Will ein Unternehmen seine Kapazitäten erweitern, sind das zunächst gute Nachrichten für den Standort. Im Gegensatz zu einem Fortzug aus der Region trägt die Erweiterung in eine andere Kommune innerhalb NORDGATE dazu bei, Arbeitsplätze in der Region zu halten. Zudem bieten die freigewordenen Kapazitäten Raum für neue Potenziale, die ihrerseits neue Wertschöpfung in der Region generieren. Wir wollen das unterstützen.

Marc-Mario Bertermann: Dazu ein konkretes Beispiel: Das Norderstedter Jungheinrich Werk benötigte im Jahr 2015 Platz für ein neues Ersatzteillager. Da dies am Standort Norderstedt baulich nicht möglich war, wurde das Projekt in Kaltenkirchen realisiert. Am Ende eine Win-Win- Situation für alle: Eine Lösung für das Unternehmen, Neuansiedlung in Kaltenkirchen, Erweiterung der Produktion und Ausbildungsmöglichkeiten im Werk Norderstedt durch freigewordene Kapazitäten. Und nicht zu vergessen: Erhalt der Arbeitsplätze in der Region.

Nach zwölf Jahren gemeinsamer Arbeit dürften auch in der NORDGATE die großen, attraktiven Flächen langsam rar werden, wie stellen Sie sich in Ihrem Marketing auf die neue Situation ein?
Marc-Mario Bertermann: Ist „groß“ gleichzusetzen mit attraktiv? Das sehen wir differenzierter. Richtig ist, dass sehr große Flächen, beispielsweise für Logistik, knapper werden. Aber ebenso richtig ist, dass wir nach wie vor große Flächen für kombinierte Produktions- und Büroflächen anbieten können. Attraktivität ist keine Frage der Flächengröße, sondern der Summe aller Standortvorteile.

Iris Meyer: Es ist eine Frage der Perspektive. Wie jedes Gut in der Marktwirtschaft ist auch „Fläche“ eine knappe Ressource. Den Mangel gilt es optimal zu managen. Hier machen wir gerade einen Wandel durch. Denn die Zeit der preiswerten Grundstücke ist wohl erstmal vorbei. Flächen kosten, nicht nur in der Bereitstellung und Anschaffung, sondern auch im Erhalt. Der Trend geht klar weg von großen, hin zu attraktiven Flächen. Dieser neue Blick auf Flächen ist ein Vorteil für NORDGATE, denn wir können weiterhin kombinierbare Produktions- und Büroflächen anbieten.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei geplanten Ansiedlungen? Wie reagieren Sie, wenn sich ein Chemie-Unternehmen nahe einer Wohnsiedlung ansiedeln möchte?
Iris Meyer: Ein interessanter Gedanke. Ich kann mich an keine Anfrage diesbezüglich erinnern. Dennoch, sollte ein Unternehmen diesen Wunsch äußern, gibt es in Hinblick auf den Umweltschutz klare Regeln, sowohl auf Landes- als auch auf kommunaler Ebene. Diese Vorschriften müssen eingehalten werden. Die Frage nach Umweltschutz bringt uns zur Rolle der Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft. In meinen Gesprächen wird deutlich, dass dieser Begriff auch bei den Unternehmen mitgedacht wird. Uns ist wichtig, innovative und zukunftsfähige Unternehmen in der Region zu halten oder zu gewinnen. Anderseits unterstützen wir die Unternehmen in der Suche nach ressourcenschonenden Lösungen. Das ist uns als städtische Gesellschaft wichtig.

Marc-Mario Bertermann: Neben den gesetzlichen Vorgaben ist es heute auch eine Frage des Images einer Kommune, sich nachhaltig zu positionieren. Unternehmen erwarten eine Ausrichtung auf nachhaltige  Stadtentwicklung. Norderstedt beispielsweise hat mit vielen Auszeichnungen seine Fokussierung auf ressourcenschonende Stadtentwicklung bewiesen und tut es weiterhin.

Wie wichtig sind der Flughafen Fuhlsbüttel sowie der Hamburger Hafen für die Wirtschaft von Neumünster bis Norderstedt?
Marc-Mario Bertermann: Es wird Sie erstaunen: Norderstedt ist auch „Hafenstadt“. Wir haben tatsächlich einen nennenswerten Bestand an maritimen Betrieben. Aber entscheidend ist natürlich die örtliche Nähe, die schnelle Erreichbarkeit, zu Hafen und Flughafen, letzterer ist für international tätige Unternehmen ein entscheidender Standortvorteil und Argument für NORDGATE.

Iris Meyer: Die A 7 spielt eine herausragende Rolle. Zudem ist das Schienennetz ein wichtiger Faktor. So können Waren und Container aus dem Hamburger Hafen mühelos und schnell über Neumünster zwischen Hamburg, Schleswig-Holstein und Skandinavien bewegt werden. Mit dem Ausbau der A 20 wird sich diese Situation weiter verbessern und Neumünster wie auch NORDGATE an zusätzlicher Attraktivität als Logistikstandort gewinnen.

Quelle: Artikel aus Die Wirtschaft im Norden/01/2020/sh:z, Fotos NORDGATE/M. Blome